Sein Lebensweg

Werner Klein. Quelle: J. J. Engels

Ein Name taucht 1960 in der Andernacher Sozialdemokratie auf, Werner Klein, er wird in den Andernacher Stadtrat gewählt. Die Geschichte der Sozialdemokratie in Andernach ist seitdem untrennbar mit seinem Namen verbunden. Werner Klein wird am 22. Juni 1928 in Nickenich geborgen, besucht die Volksschule seines Heimatdorfes und anschließend die Kreishandelsschule in Andernach. Nach Kriegseinsatz und amerikanischer Gefangenschaft wird er am 1. November 1945 Angestellter bei den Einheitsgewerkschaften für Andernach und Umgebung. Sein politischer und gewerkschaftlicher Ziehvater Michel Dedenbach fördert ihn und bereitet ihn auf größere Aufgaben vor. 1946 wird Werner Klein Mitglied der SPD. 1951 wird er zum Sekretär der Gewerkschaft Chemie, Papier, Keramik ernannt.

In der Zeit macht er auch landesweit auf sich aufmerksam. Der Manteltarifvertrag für die Steine- und Erdenindustrie trägt seine Handschrift und bringt für die Arbeiter erhebliche Verbesserungen. Es zeigt sich, dass der gebürtige Nickenicher die Probleme seiner Heimat kennt, sie zu seinen eigenen macht und für die Verbesserungen kämpft. Durch Michel Dedenbach wird Werner Klein auch zwangsläufig mit der Kommunalpolitik in der hiesigen Region vertraut gemacht. Der Gewerkschaftler Werner Klein vertritt auch in den Kommunalparlamenten in der Verbandsgemeinde Andernach-Land, ab 1956 im Kreistag und ab 1960 im Andernacher Stadtrat die Interessen des kleinen Mannes. Er ist ein heimatverbundener Mann. Daher ist ihm die Kommunalpolitik auch so nahe. Bei ihm gilt der Grundsatz:“Im Zweifel für den Bürger“. Im Jahre 1961 wird Werner Klein zum Stadtbürgermeister von Weißenthurm gewählt. Dieser Schritt ins benachbarte Weißenthurm ist für Werner Klein sicherlich auch so etwas wie eine Abnabelung aus der Sphäre des „übermächtigen“ Michel Dedenbach. Denn Werner Klein hat sich in den letzten Jahren immer mehr zu einer eigenständigen politischen Kraft entwickelt. Michel Dedenbach ist über diesen Wechsel nach Weißenthurm nicht gerade erfreut, dies soll Werner Klein noch merken. Denn als im Jahre 1966 der Nachfolgekandidat für den Landtagsabgeordneten Michel Dedenbach gesucht wird, fällt die Wahl nicht auf Werner Klein, der sich im übrigen große Hoffnungen macht, sondern der Gewerkschaftsflügel der SPD wählt den damaligen Gewerkschaftssekretär Herbert Heuft aus Obermendig zum Landtagskandidaten. Da hat wohl im Hintergrund Michel Dedenbach die Weichen gestellt.

Im Jahre 1965 ist es wiederum Michel Dedenbach, der Werner Klein gerufen hat, nach Andernach zurückzukehren. Er wird 1. Beigeordneter der Stadt Andernach und in Andernach einiges bewegen. Das hat er auch getan; so stellt der die Weichen für die Altstadtsanierung. Der Bau des neuen Hafenbeckens wird von ihm energisch vorangetrieben. Ein besonderes Augenmerk gilt dem sozialen Wohnungsbau. Es ist der Verdienst von Werner Klein, dass aus der eher mit dem Makel eines „sozialen Brennpunktes“ behafteten „Misseme Hüh“ das moderne und aufgeschlossene Wohngebiet „Südhöhe“ geworden ist. In seine Amtszeit fallen noch weitere Baumaßnahmen, die der Andernacher Bevölkerung zu gute kommen, so das Hallenbad in der Stadionstraße, die Erweiterung des Sportzentrums und die Errichtung des Jugendzentrums am Hindenburgwall. Auch bei der Eingemeindung von Namedy, Eich, Miesenheim und Kell kann er durch sein Geschick und seine Glaubwürdigkeit dazu beitragen, dass alles ohne große Narben über die Bühne geht.

Im Jahre 1971 beginnt Werner Klein seine zweite Karriere. Er wird neben seinem Amt als Bürgermeister der Stadt Andernach Landtagsabgeordneter in Mainz. Wer Werner Klein kennt, weiß, der mach beide Jobs nicht nur hundert Prozent sondern steht in seinem Bürgermeisteramt und im Mainzer Landtag Tag und Nacht für die Bürger bereit. So kommt es, wie es kommen musste. Bei einem Besuch in St. Amand-Les-Eaux erleidet er einen Herzinfarkt und muss eine neunmonatige Ruhepause einlegen. Doch wenn bei einem Politiker die Pflicht eine Leidenschaft ist, werden mahnende Zeichen meist übersehen. Eine für ihn schmerzliche Niederlage erleidet er bei der Oberbürgermeisterwahl 1974 im Andernacher Stadtrat. Die Mehrheit des Stadtrates wählt am 8. Januar 1974 den 1. Beigeordneten und Kämmerer der Stadt Rheine, Dr. Küffmann mit einer Stimme mehr zum neuen Oberbürgermeister unserer Stadt.

Diese Niederlage bei der Oberbürgermeisterwahl hat Werner Klein wohl die Entscheidung, nach Mainz zu gehen, erleichtert, wenn nicht gar abgenommen. Er konzentriert sich voll auf seine Arbeit im Mainzer Landtag, ohne die Kontakte zu der Basis in der Region und besonders Andernach zu verlieren. In Mainz will er nicht nur der einfache Abgeordnete sein. 1978 wählt ihn die Landtagsfraktion zu ihrem parlamentarischen Geschäftsführer. Am 4. April 1979 gewinnt er klar mit 28 gegen 15 Stimmen die Wahl zum Vorsitzenden der SPD-Landtagsfraktion. Werner Klein hatte den Gipfelpunkt seines politischen Weges erreicht. Zusammen mit dem SPD-Landesvorsitzenden Klaus von Dohnanyi will er mittelfristig ein Zusammenregieren mit der FDP erreichen. Doch in 1981 bahnt sich eine Entwicklung an, in deren Verlauf Werner Klein mehrfach persönliche Rückschläge und Enttäuschungen hinnehmen muss. So trägt er schwer an dem Weggang von Klaus von Dohnanyi nach Hamburg. Er ist enttäuscht, dass seinem großen Ziel, ein Bündnis mit der FDP, die personelle Grundlage entzogen ist.

Am 6. März 1983, dem Tag der Bundestags- und Landtagswahl, erleidet die SPD mit 4% weniger Stimmen einen herben Verlust. Für Werner Klein ist dies auch eine persönliche Niederlage. Der damalige Landesvorsitzende Hugo Brandt erklärt am nächsten Tag, dass er die Rolle des Oppositionsführers übernehmen will. Am 17. März 1983 endet die Amtszeit von Werner Klein als Fraktionsvorsitzender. Der Alltag holt den Vollblutpolitiker wieder an die politische Arbeit. Er kniet sich wieder richtig rein. Anfang April 1985 fährt er mit seiner Frau Hilde zu einem Kuraufenthalt nach Norditalien. Dort erliegt er mit gerade erst 56 Jahren am 12. April den Folgen eines Herzinfarkts.

Quelle: Chronik: "100 Jahre SPD Andernach"

 

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