Zeitzeuge des Holocaust: Heinz Hesdörffer

Veröffentlicht am 29.01.2014 in Landespolitik

65. Plenarsitzung - Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus

Eine von Menschlichkeit getragene Debatte zu der Aufnahme von Flüchtlingen in Deutschland, mahnte Landtagspräsident Joachim Mertes in der Gedenksitzung des Landtags für die Opfer des Nationalsozialismus an. Tausende von jüdischen Kindern hätten 1938/39 Deutschland nicht verlassen können, wenn europäische Nachbarn sie nicht aufgenommen hätten. Es war dies die zentrale Gedenkveranstaltung des Landes aus Anlass des Gedenktages, zu der im rheinland-pfälzischen Landtag die Abgeordneten, Regierungsmitglieder und zahlreiche geladene Gäste, unter ihnen viele junge Leute, zusammenkamen. Die Gedenkrede hielt der heute 90-jährige Holocaust-Überlebende Heinz Hesdörffer.

„Sie sind ein Zeitzeuge, der in einer Weise die Erinnerung an die nationalsozialistischen Verbrechen und ihre Opfer wach hält, die uns allen ein Vorbild ist. Sie bauen Brücken zwischen Alt und Jung, zwischen Damals und Morgen“, sagte Landtagspräsident Joachim Mertes. „Die Frage, wie gehen wir mit Verfolgten und Flüchtlingen um – diese Frage müssen wir auch heute beantworten. Die Welt findet angesichts der sich verschlimmernden Flüchtlingssituation in Syrien weder zu einer konzertierten Aktion noch zu einer gemeinsamen Politik der Nationen zusammen. Tun wir wirklich alles, was in unserer Macht steht, um die Schwächsten zu schützen?

Wir brauchen eine Debatte darüber, wie wir generell mit Flüchtlingen umgehen. Denken Sie an die Bilder der Flüchtlinge auf Lampedusa. Die Verantwortung für diese eine Welt ist konkret. Und sie wird daran gemessen, wie man mit einem Flüchtling umgeht. Unsere Geschichte verpflichtet uns dazu, auf solche Fragen mit Sensibilität und Menschlichkeit zu antworten“, forderte Mertes.

Im Mittelpunkt der Gedenkstunde stand der Bericht des Zeitzeugen Heinz Hesdörffer, der als jüdischer Jugendlicher aus seiner Heimatstadt Bad Kreuznach mit einem der Kindertransporte 1939 nach Holland floh, von dort aus deportiert wurde und mehrere Konzentrationslager und einen Todesmarsch überlebte.

Tief bewegend erzählte Heinz Hesdörffer über 90 Minuten lang völlig frei seine Lebens- und Leidensgeschichte bis zum Ende der Nazi-Herrschaft. Seine Rede beginnt mit der Erfahrung der Ausgrenzung in seiner Heimat Bad Kreuznach. Nach der Machtübernahme  wollen und dürfen seine arischen Kameraden nicht mehr mit dem 1933 gerade Zehnjährigen spielen. Es folgten die Schilderungen der schwierigen und dramatisch verlaufenden Zeit des Exils in Holland. Erst viele Jahre später erfährt er, dass eines seiner Verstecke in Amsterdam zuvor das Wohnhaus von Anne Frank und ihrer Familie war.

Minutiös und anschaulich berichtete Hesdörffer über Geschehen und Alltag an den verschiedenen Stationen der Deportation: Westerbork in Holland, Theresienstadt, Auschwitz-Birkenau, Schwarzheide, Sachsenhausen-Oranienburg. Er überlebt den Todesmarsch und wird von den Russen befreit. Mutter und Bruder und der größte Teil seiner Verwandten und Freunde finden in den Vernichtungslagern den Tod.

Eine Bitte richtete Hesdörffer zum Schluss seiner Rede an das Plenum: „Die wenigen Zeitzeugen, die es noch gibt, leben nicht mehr lange. Helfen sie mit, dass diese schreckliche Vergangenheit nicht in Vergessenheit gerät, dazu bedarf es jedes Einzelnen hier in diesem Raum.“

Hesdörffers Schicksal enthält für Ministerpräsidentin Malu Dreyer eine deutliche Mahnung für heute: „Die Demokratie darf in ihrer Wachsamkeit gegenüber extremistischen, rassistischen, ausgrenzenden Bestrebungen nie nachlassen. Das muss das verbindende Element und das tragende Fundament unserer demokratischen Überzeugung sein und bleiben. Menschen wie Heinz Hesdörffer führen uns plastisch und drastisch vor Augen, wie schnell der innere Zusammenhalt einer Gesellschaft ins Wanken kommen kann, wie er durch Wegschauen und Nichthandeln verletzlich und brüchig wird. Und welche unvorstellbar grausamen Folgen das schließlich haben kann“, so Dreyer.

Heute an die Opfer zu gedenken, heißt auch, sich der Lehren aus unserer Geschichte bewusst zu sein, sagte Dreyer. Sie versprach Hesdörffer das Gedenken in Rheinland-Pfalz intensiv fortzusetzen. „Jeder der heute einem Zeugen zuhört, ist selbst ein Zeuge“, machte sich Malu Dreyer Worte des amerikanischen Schriftstellers und Holocaust-Überlebenden Eli Wiesel zu eigen. - 28.01.2014

 
 

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